![]() |
|
|
|
„Lindenkaffee“, Ecke Lindenstraße/Kaiserstraße |
Ev. Kirche, 1972 gesprengt und Lehmannstraße |
Kath. "Herz Jesu-Kirche", Lindenstraße |
![]() |
|
![]() |
|
Hauptstraße (Kaiserstraße) mit Ritterburg u. Kath. Kirche |
Blick zur Lindenstraße und zur Ev. Kirche |
Freibad "Angerteich", heute zugeschüttet und Fußballplatz |
Der erste schriftliche Nachweis der Existenz von Turn geht aus den Gründungsurkunden des „Leitmeritzer Domstifts“ aus dem Jahre 1057 hervor. Die frühere Bezeichnung „Dornau“ sagt uns ,dass dieses Gebiet mit dornigem Gestrüpp bestanden war. Eine Sage scheint dies zu bestätigen. Ein gewisser Mstiboj hatte sich durch das Verschenken eines von ihm erlegten Ebers beim Stammeshäuptling beliebt gemacht und erhielt dessen schöne Tochter, die Lewa, zur Frau. Durch Kind- und Kindeskinder entstand bald ein großer Familienclan. Der Platz für den Bau von Hütten wurde knapp, so hat man ein großes Gebiet mit Dornenhecken gerodet, wo fortan das Dorf „Dorn“ seinen Platz fand. Soweit die Sage. Andererseits weisen alte Gräber und Steinwaffenfunde deutlich auf einen germanischen Ursprung hin.
Im Gegensatz zu "Schönau", mit dem sich Teplitz zur Doppelstadt Teplitz-Schönau vereinte, führte die in greifbarer Nähe liegende Nachbargemeinde lange Zeit ein Schattendasein. Kein Wunder, denn Turn verfügte über keine Bäder und war im Prinzip ein großes Dorf. Immerhin gab es in dieser frühen Zeit Gründe für Spaziergänge nach Turn. Es war eben „Natur pur“, wenn man zu den Teichen kam oder dem Lauf des Flößbachs folgte. Sehr beliebt waren auch Besuche des Turner Park oder des schönen Parks in der Nachbargemeinde Probstau. Diese beiden waren damals sehr gepflegt und im Besitz der Herrschaft Clary und Aldringen. Als Kuriosum sollte man wissen, dass der Teplitzer Schlossberg eigentlich in der Gemarkung Turn liegt.
Ab den 70er Jahren des 19. Jahrhunderts änderte sich das Bild. Ein steiler Aufschwung stand der Gemeinde Turn bevor. Dafür gab es verschiedene gute Gründe. Während in Teplitz lange Zeit die gestrenge Kurkommission wachte, hatte Turn diese Probleme nicht. So konnten sich in Turn Industrie und Gewerbe besser ausbreiten. Neben der Metallindustrie (Maschinen, Eisenmöbel, Gießerei) war besonders die Keramische- und Glasindustrie vorherrschend. Erinnert sei an die Keramischen Fabriken von Josef Strnact und Alfred Stellmacher. Hinzu kamen mehrere Firmen der Nahrungsmittelherstellung, darunter die namhafte Clary'sche Brauerei. Weitere Branchen befassten sich mit Kunstleder, Wachstuch, Schuhen, Spielwaren, Kartons und Büchern. Eine Reihe von Standortvorteilen machte sich Turn zunutze. Dazu gehören: 1858 die Anbindung an die Eisenbahn und ab 1895 verkehrte die elektrische Straßenbahn von Teplitz nach Turn mit Weiterfahrt bis Eichwald. Ferner verbindet die von Teplitz kommende Hauptstraße, die Kaiserstraße (Masarykova), Turn mit wichtigen Zentren wie Dresden, Aussig und Bodenbach.
Eine bedeutende Turner Persönlichkeit ist der Geschichtsforscher Pof. Dr. Emil Lehmanns, geb.1880 in Turn. Er schrieb Werke über die Sudetendeutsche Volkskunde. 1893 verfasste der Turner Heimatforscher G.A. Ressel ein sehr detailliertes, gutes Buch mit dem Titel: „Ortsgeschichte von Turn“. In Turn geboren wurde ferner P. August Müller, der langjährige Obmann des „Bundes der Deutschen in Böhmen“.
Anfang des 20.Jh. hatte Turn bereits städtisches Embiente mit imposanten Häusern, zwei herrlichen Kirchen , guten Straßen und gepflegter Begrünung. In Folge erhielt Turn ab 1910 das Stadtrecht. Damals hatte es schon 15 Tausend Einwohner. Erst viel später, im Jahre 1942, folgte die Vereinigung mit Teplitz-Schönau. Die Städte sind immer weiter zusammen-gewachsen. Die Übergänge von Teplitz nach Turn waren kaum noch zu erkennen.
Die Zeit nach 1945, Turn nennt sich jetzt Trnovany, hat der Stadt schwer geschadet. Das ganze Ausmaß kann man am besten beurteilen, wenn man vom Schloßberg Ausschau hält. Da liegt jetzt etwa seit 1980 “Neu-Turn“. Das meiste der schönen alten, historisch gewachsenen Bausubstanz ist vernichtet, musste tristen „Plattensiedlungen“ weichen. Mit Mühe erkennt man die „Rote Kirche“ und vermisst die zweite, die evangelische (grüne) Kirche an der Probstauer Straße. Ein einmaliger Bau mit ehemals 800 Sitzplätzen und einer Turmhöhe von 70 m. Nach einem nie geklärten Brand, wurde sie 1972 abgetragen. Bei Probstau sieht man den Schlot eines neuen Heizkraftwerkes. Besonders schmerzlich sind die Beseitigung der Mariascheinerstraße und große Teile der Lindenstraße. Das ehemalige Café und Variete „Imperator“ aus dem Jahre 1912 steht noch, allerdings in einem sehr desolaten Zustand. Was ihm noch bevorsteht, Abriss oder Renovierung, ist unbekannt.