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Boreslau, Blick zur St. Katharina-Kirche |
Innenansicht der Kirche |
Der kleine Ort Boreslau (Bořislav) mit seinen knapp 400 Einwohnern liegt nur 12 Kilometer südöstlich von Teplitz entfernt im reizvollen Landschaftsgebiet des Milleschauers. Eingemeindet ist Pilkau (Bílka), ein beliebter Anlaufpunkt zur Bergbesteigung. Der schon recht zeitig anno 1189 urkundlich erwähnte Ort Boreslau ist seit 1352 eine Pfarre und ab dem 16. Jahrhundert Teil der Teplitzer Herrschaft Clary-Aldringen. Ein Glanzpunkt ist die hübsche katholische Kirche "St. Katharina", ursprünglich zum Kloster aus dem Jahr 1717 gehörig.. Seit 2006 trägt die Kirchenmauer eine zweisprachige Gedenktafel. Die deutsche Aufschrift lautet: „In dieser Kirche wirkte seit 1922 Dekan Franz Sitte. Er schrieb das Werk 'An der Sonnenseite des Milleschauers', das die Geschichte von Boreslau behandelt. Am 8. Januar 1960 starb er unter unklaren Umständen im Leitmeritzer Gefängnis“.
"In dominierender Lage die katholische Kirche, ein schöner und stolzer Barockbau, das weithin sichtbare Wahrzeichen dieses schönen Mittelgebirgsdorfes. Rechts abschließend das schlanke und schön getürmte Kirchlein der evangelischen Kirchengemeinde.". Diese Beschreibung gehört zu den einleitenden Worten des Manuskripts des Boreslauer Pfarrers Franz Sitte in seiner Broschüre "An der Sonnenseite des Milleschauers". Auf sein leidvolles Schicksal und den Märtyrertod wurde ich durch Landsmann Walter Dörfel aus Schima (Žim) aufmerksam gemacht. Sein umfangreicher Bericht wurde stark gekürzt in diese Dokumentation einbezogen.
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Pfarrhaus der Kirche in Boreslau |
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Franz Sitte (17.02. 1896 - 8. 01. 1960) wurde in Grottau an der Neiße geboren. Zunächst wirkte er seit 1922 als Kaplan in der Gemeinde Boreslau und wurde dort am 01.01. 1935 Pfarrer. Dabei hatte er nicht weniger als 20 Ortschaften zu betreuen. Neben seiner seelsorgerischen Arbeit, schaffte er es Kraft der Gemeinde, die Kirche instand zu halten und mit neuen Glocken zu versehen. Als Schriftsteller hat er uns "Die Geschichte der Pfarrgemeinde Boreslau" und die Schilderung des Heimatkreises in "An der Sonnenseite des Milleschauers" hinterlassen. Nach dem Krieg wurde Pfarrer Sitte nicht vertrieben, aber wie alle Deutschen entrechtet. Getreu seines Amtes, hat er weiterhin seinen kirchlichen Dienst vollzogen. Die neuen Herren mochten ihn nicht, weder als Menschen, noch weniger als Geistlichen. Man forderte unentwegt seine Abberufung und überwachte jeden seiner Schritte. Es war offensichtlich, dass man nur eine geeignete Gelegenheit suchte, sich seiner ohne Umstände und ohne Aufsehen zu entledigen.
Schließlich nannte man ihn nach der Herausgabe seines Artikels „600 Jahre Gemeinde Schima“, erschienen in tschechisch in der Teplitzer Zeitung „SMĔR“ und in deutsch im „Teplitzer Anzeiger“ einen Faschisten. Nach langem Ausharren stellte Sitte einen Reiseantrag zum Zwecke des Besuches seiner Schwester in der Bundesrepublik, der überraschend genehmigt wurde. Als Pfarrer Sitte in den ersten Januartagen 1960 in Teplitz ahnungslos den Zug in Richtung Eger bestieg, wusste er nicht, dass im gleichen Zug, nur in einem anderen Abteil, sein Bewacher mitfuhr. Bei der Grenzkontrolle wurde im doppelten Boden eines Kartons mit Obst seine im Jahre 1936 veröffentlichte "Geschichte der Pfarrgemeinde Boreslau" und die von ihm eben fertiggestellte Fortsetzung "An der Sonnenseite des Milleschauers" hervorgeholt. Pfarrer Sitte wurde daraufhin verhaftet und in Leitmeritz in die Haftabteilung der Staatssicherheit eingeliefert. Lediglich seine Kleidung, Schuhe und Galoschen wurden ihm belassen. Ihm verblieb nichts, womit er einen Selbstmord hätte begehen können. Wenige Tage später, am 8. Januar 1960, wurde er in seiner Zelle mit durchgeschnittenen Arterien beider Hände, dicht über dem Handgelenk, aufgefunden. Die Schnitte reichten bis auf die Knochen. Er hatte zuviel Blut verloren und ist im Krankenhaus verstorben. Amtliche Todesursache: Selbstmord mit einer Rasierklinge. Wirklich?
Fast 30 Jahre später führte eine Zeitungsnotiz in der "Pondelni Prace" zur Nachuntersuchung des Falles "Fara" (Pfarrei), unter Verwendung der vom Innenministerium freigegebenen Akte 762. Daraufhin hat das tschechische Fernsehen im Jahre 1993 in einem Dokumentarfilm den Fall aufgegriffen. Darin sagen mehrere damalige Häftlinge sowie Fachärzte aus. Alle sind sich darin einig, dass es sich nicht um einen Selbstmord, sondern um Mord handelte. Ein Protokoll der „Konföderation politischer Häftlinge in der Tschechischen Republik“ aus dem Jahre 2004 kommt, gestützt auf ein neues, ärztliches Gerichtsgutachten „mit einer an Sicherheit grenzenden Wahrscheinlichkeit“ zu dem gleichen Schluss.
Nun jährte sich Pfarrer Franz Sittes fünfzigster Todestag, anlässlich dessen in der Boreslauer St. Katharinenkirche am 09.01.2010 um 14 Uhr ein feierlicher Gottesdienst gelesen wurde. Die Gemeinde Boreslau und das Römisch-katholische Pfarramt Boreslau in Zusammenarbeit mit der Kreis-Organisation der KDU-ČSL (Christdemokratische-Liberale Partei) in Teplitz hatten dazu eingeladen. Die Kirche war voll besetzt. Der neue Bischoff Mons. Jan Baxter und 4 Priester aus Teplitz waren am Altar.
Farbige Abbildungen: Walter Dörfel. Herzlichen Dank, das fehlende Foto des Pfarrers bekamen wir von Landsmann Jan Kobliha
An alle Landsleute aus Teplitz-Schönau und den Orten der Umgebung. An alle Interessierten und Kenner!
In eigener Sache. Der fünfte Band ist da! - Er kann bestellt werden (auch 1-4).
Verschenken Sie die Büchlein an die Nachfolge-Generation und Sie verschenken liebe Erinnerungen an die Heimat !
Vom
"Heimatbüchlein von Teplitz-Schönau und Umgebung" ist auch der
fünfte Band erschienen. Das freundliche Echo, dass die zahlenmäßig
erhebliche Leserschaft den bisherigen Bänden entgegenbrachte, hat mir gezeigt,
wie tief verwurzelt wir mit unserer Heimat sind und für alles was dort war,
oder jetzt geschieht, offen sind. In diesem Sinne reiht sich ein gut
recherchierter Beitrag an den anderen. Diesmal sind im fünften Band besonders
viele Abbildungen enthalten, die den Text ergänzen, die Erinnerung
unterstützen aber auch neugierig machen. Format und die Konditionen des Bezuges
sind gleich geblieben. Nachbestellungen
des ersten bis vierten Bandes sind gleichfalls möglich.
Download der Inhaltsverzeichnisse (Bd. 1 bis 4) Hier (23KB)
Download des Inhaltsverzeichnisses (Bd. 5) Hier (11KB)
Fragen zum Bezug dieser kleinen "Erinnerungswerke" werden gern beantwortet.
Wer
das Büchlein erwerben möchte, den bitte ich um folgende Kontaktaufnahme:
E-Mail: teplitz@web.de oder
Tel./Fax (0361) 2 11 23 07